Thomas Hornung | CDU

Herr Hornung, man hat den Eindruck, dass es bei der CDU Mannheim um die Wurst geht.

Was verschafft den Eindruck?

 

Gleich zwei Mal wurde prominent von einigen Ratskandidaten zu einem Weißwurstfrühstück eingeladen, unter anderem auch von Ihnen.

Im wörtlichen Sinne ging es tatsächlich um die Wurst. Das Angebot zum gemeinsamen Weißwurstfrühstück war der Versuch  einer Reihe von Kandidatinnen  und Kandidaten, im Vorwahlkampf die Leute zu erreichen. Wenn man sagt, hier sind acht Frauen und Männer, die nächsten Sonntag über Politik reden, dann kommt doch so gut wie niemand . Und das, obwohl angeblich alle so sehr politisiert sind. Also braucht es Angebotemit  einem gewissen Mehrwert – das kann auch Geselligkeit sein oder etwas, das eine angenehme Atmosphäre verspricht. Diesen Rahmen nutzen wir dann für das Ausbringen unserer politischen Botschaften und in der anderen Richtung für das Empfangen von politischen Anregungen, von Kritik und Hinweisen. Auch im übertragenen Sinne geht es für die CDU in Mannheim um die Wurst, da mache ich keinen Hehl daraus. Wir müssen kämpfen, um uns angesichts der Umfragen und der ersichtlichen Tendenzen als eine der zwei, drei starken politischen Kräfte in Mannheim mindestens gleichwertig halten zu können. Wir müssen kämpfen, und das tue ich auch persönlich, weil ich vom Konzept der Volkspartei auch in der Kommunalpolitik überzeugt bin.

 

Ich höre da heraus, dass man CDU-Wähler mit Weißwürsten ködern kann.

Ach, wenn überhaupt, dann nicht nur CDU-Wähler. Und ob wir die Damen und Herren, die die Würste verspeist haben, als  Wählerinnen und Wähler geködert haben, steht auf einem anderen Blatt. Aber immerhin haben wir sie geködert, um mit uns überhaupt ins Gespräch zu kommen. Eine Wurst jedenfalls macht noch keine Stimme.

 

Im Jahr 2014 kamen sie knapp nicht in den Stadtrat, rückten nach. Wären Sie bei den aktuellen Umfrageergebnissen heut noch bei den Grünen dann…

… müsste ich mich weder in den Stadtteilen blicken lassen noch Wahlkampf machen. Ich könnte mich zurücklehnen und würde mit 101-prozentiger Sicherheit gewählt werden.

 

Ja, sowas in der Art wollte ich sagen. Aber?

Nichts aber. Das ist meine Antwort auf all die, die mir nach meinem Parteiwechsel wohlfeil vorgehalten haben: Der Hornung mache sich einen schönen Lenz, der habe sich kaufen lassen, der wähle den einfachen Weg und so weiter. Keiner von all diesen Besserwissern, die in ihrem Leben nicht einen Bruch hinter sich haben, hat Recht. Mir war immer bewusst: Ein Parteiwechsel ist nun wirklich nicht der leichte Weg. Denn mit solch einem Bruch im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen, verbunden mit der Unsicherheit für die eigene berufliche wie für die ehrenamtliche Zukunft, das ist kein Zuckerschlecken. Aber ich bin den Weg aus Überzeugung gegangen und damit voll im Reinen. Jetzt kann ich mich nicht zurücklehnen, sondern muss um den Verbleib im Gemeinderat kämpfen. Das ist eine der vielen Herausforderungen, die das Leben für mich bereithält, und diese Herausforderung nehme ich mit Freude an.

 

Verfügen Sie bei der CDU schon über genug Stallgeruch, dass es für die Wiederwahl reicht? Oder kann Ihre ehemalige politische Heimat vielleicht sogar ein Vorteil sein, da Sie noch Stimmen von Wählern der Grünen bekommen werden?

Es mag einen Teil von Wählerinnen und Wählern geben, die können und wollen meinen Schritt  nicht nachvollziehen und die können auch nicht zwischen dem Parteibuch und der Person trennen. Was man jedoch gerade bei einer Kommunalwahl tun sollte. Den Begriff Stallgeruch will ich mir nicht zu eigen machen, und ich glaube, der passt auch nicht mehr zu einer modernen Großstadt-Partei – die CDU in Mannheim entwickelt sich ja seit einigen Jahren unter der Führung von Nikolas Löbel eben dahin. Ich kann Zahlen sprechen lassen, was meine Stellung in der Mannheimer CDU betrifft: Zum Vorsitzenden des größten Ortsverbandes in der CDU Mannheim in der Oststadt/Schwetzingerstadt bin ich mit 100 Prozent der Stimmen gewählt worden. Bei der Nominierung für die Kommunalwahlliste hatte ich eines der zehn besten Ergebnisse und unter den ersten zehn auf der Liste hatte ich nach dem Spitzenkandidaten Claudius Kranz das zweitbeste Ergebnis. Ich habe den Eindruck, man verbindet mit mir einen aufgeschlossenen und aufgeweckten Politikstil, die Chance, neue Wählergruppen für die CDU anzusprechen und Kompetenz in den wichtigen Politikfeldern.

 

Das kann sich sehen lassen.

Offenkundig habe ich die Menschen in der Partei überzeugt, und ich habe dies mit einer Mischung aus Persönlichkeit und Inhalt getan. Genau so möchte ich auch bei den Wählerinnen und Wählern punkten. Im kommunalpolitischen Bereich, wo stark nach Person und nicht ausschließlich nach Parteibuch gewählt wird, würde ich mir wünschen, dass die Wählerinnen und Wähler genau schauen, ob ich als Person nicht für eine Politik stehe, die unsere Stadt braucht und voranbringt. Ich stehe in der CDU für Umwelt-, Klima- und Naturschutz, für ökologische  Stadtentwicklung und für eine moderne Verkehrspolitik. Ich muss hier einige Überzeugungsarbeit leisten, aber das durchaus erfolgreich – siehe Wahlprogramm. Ich glaube, damit kann ich einen Grundstein legen für eine neue, interessante und progressive Mehrheit in dieser Stadt. Das wäre mit einer Beton-CDU von vor zehn Jahren sicher nicht möglich. Mit einer personell verjüngten und inhaltlich zeitgemäß aufgestellten Großstadt-CDU unter Führung eines pragmatischen Politprofis wie Nikolas Löbel, flankiert von Leuten wie mir oder Martina Herrdegen, ist die CDU das Angebot der politischen Mitte. Wir wollen die Mehrheiten im zukünftigen Gemeinderat suchen und stabil bilden.

 

Haben Sie Brücken zwischen CDU und Grünen gebaut?

Sagen wir es mal so: ich könnte Brücken bauen und ich würde mir wünschen, man würde genau das als Chance erkennen. Es bestehen nach wie vor gute Kontakte auf allen Ebenen, und das will ich für eine gute Politik in Mannheim in den kommenden Jahren nutzen. Ich möchte in der nächsten Wahlperiode als Mitglied des Gemeinderates ganz persönlich dafür stehen, dass die CDU mit den Grünen zusammen und, falls notwendig, möglicherweise mit einer dritten Partei eine stabile Mehrheit zu konstruieren und sich auf Themen zu verständigen, fast im Sinne eines Koalitionsvertrages, die dann konsequent zum Wohle der Stadt abgearbeitet werden. Mit dieser Kommunalwahl tut sich in Mannheim eine Riesenchance für eine Mehrheit der bürgerlichen Mitte auf.  Was im Land Baden Württemberg und im Nachbarland Hessen durchaus funktioniert, nicht reibungslos, aber erfolgreich, das muss doch hier auf kommunaler Ebene machbar sein. Ich sehe mich als jemanden, der persönlich und inhaltlich die Brücke zwischen CDU und Grünen schlägt – inhaltlich wie persönlich. Das sage ich ganz selbstbewusst, dass das auch ein gewichtiges Wahlargument für mich ist.

 

Welches sind aus Ihrer Sicht in den nächsten fünf Jahren die drei größten Herausforderungen in der Mannheimer Kommunalpolitik?

1) Die ökologische Stadtentwicklung mit dem Fokus Mobilität neu auszurichten: Der Radverkehr muss ein größeres Gewicht bekommen, ich will, dass Radfahrer in Mannheim sicher, schnell und bequem von A nach B kommen. Der ÖPNV muss massiv ausgebaut werden. Und was die Straßen betrifft, setze ich auf intelligente Verkehrssteuerung. Dafür wollen wir einen Zehnjahresplan ausarbeiten, der Mannheim an die Spitze bringt.

 

2) Die Konversion weiter voranzutreiben mit Augenmerk auf der Schaffung von bezahlbarem  Wohnraum: Die Wohnraumfrage ist als große soziale Frage zu lösen.

 

3) Die Bundesgartenschau erfolgreich durchzuziehen: Die letzten Fragen müssen dringend geklärt werden, zum Beispiel brauchen wir endlich ein Verkehrskonzept. Und dann muss jetzt alles zügig gehen, damit wir pünktlich in vier Jahren eröffnen können – und dank guter Organisation kein größeres Defizit machen als ohnehin schon geplant.

 

Worum geht es Ihnen?

Wir müssen in Mannheim mehr Neues wagen: das Radverkehrsnetz und den ÖPNV ausbauen, aber nicht dem Trugschluss unterliegen, wir könnten in den nächsten fünf Jahren das Auto abschaffen oder es uns einfach mal weg wünschen. Das funktioniert nicht. Kommunalpolitik ist zutiefst realpoltisch. Politik mit Maß und Mitte – darum geht es mir.

 

Was bringen Sie mit, um die Themen anzugehen?

Ich bin im Naturschutz  sozialisiert, habe mit elf Jahren meine erste Naturschutzgruppe gegründet. Ich bin Naturfreund durch und durch, und das hat für mich ganz verschiedene Dimensionen: Der Mensch ist ein Geschöpf unter vielen. Und  alle Geschöpfe haben per se ihre Daseinsberechtigung, und wir Menschen haben dies zu respektieren. Jeder Vogel, jeder Wurm ist schützenswert, ganzabgesehen von der Rolle im ökologischen System.  Ich bringe viel Kompetenz im Naturschutz und in der Umweltpolitik mit, die ich mir über Jahrzehnte angeeignet habe. Das ist meine Leidenschaft. Ich bringe aber auch Erfahrung im politischen Betrieb mit: als Büroleiter zweier Bundestagsabgeordneter, als jemand, der in einer Regierungsfraktion im Landtag in leitender Funktion Politik mit gestaltet und nicht nur kommuniziert hat. Ich bin in Mannheim Bezirksbeiratssprecher gewesen, mache seit rund 15 Jahren in Mannheim Kommunalpolitik. Ich bringe also die Kompetenz mit, politische Prozesse zu moderierten, Themen aufs Gleis zu setzen und ins Ziel zu bringen, Mehrheiten zu finden. Dabei ist innerparteilich immer der erste Schritt, dann geht es darum, zwischen den Parteien zu verhandeln, um dem Anliegen die Mehrheit zu verschaffen. Und ich bringe die Kompetenz mit – das ist ja der Alltag als Stadtrat–, Vorlagen schnell zu erfassen. Die Verwaltung schlägt etwas vor, der Stadtrat wird um eine Entscheidung gebeten. Ich erkenne das Wesentliche, stelle die richtigen Fragen im richtigen Moment. Aus einer politischen Denke heraus aber vor allem mit Blick auf die über allem stehende Frage: Was nutzt dieses oder jenes für die Stadt und die Menschen in unserer Stadt.

 

Werfen Sie einen Blick in die Glaskugel: wie viele Mandate wird die CDU bei der Gemeinderatswahl erreichen?

Das ist reine Spekulation. Ohne mich.

 

Wird es denn mit Ihrem Einzug klappen?

Das haben die Wählerinnen und Wähler in der Hand. Ich wünsche es mir, sonst würde ich nicht so viel Energie darauf verwenden. Ich behaupte, ein guter und kompetenter Stadtrat zu sein, der in seinen Fachgebieten sehr konzentriert Sacharbeit leistet und der gleichzeitig mit einer gewissen Freude an Kommunikation ganz gut das Scharnier oder, wie Politikwissenschaftler sagen, der Transmissionsriemen zwischen den Bürgerinnen und Bürgern, der Verwaltung und dem Gemeinderat sein kann. Dafür bringe ich die Kompetenz mit, aber auch die Lust und die Leidenschaft. Wenn die Mannheimerinnen und Mannheimer das spüren, verstehen und anerkennen, dann mache ich mir um meine Wiederwahl keine Gedanken. Wenn es anders kommt und ich nicht mehr dabei bin, weil vielleicht die Sitzverteilung eine ungünstige ist – denn es hängt ja auch davon ab, wie viele Kleinstparteien den Größeren nach dem neuen Wahlrecht Sitze wegnehmen- dann ist es eben so und ich finde andere Wege, mich einzubringen.

 

Steckbrief

Stadtrat seit 2016

CDU

Listenplatz 8

Stadtteil: Oststadt/Schwetzingerstadt