Lea Schöllkopf | Die PARTEI

Frau Schöllkopf, was ist eigentlich an Einhörnern lustig?

Überhaupt nichts. Sie sind total niedlich, aber man muss sie nicht lustig finden.

Ich frage deshalb, da an Wahlständen Ihrer Partei öfters Einhörner zu sehen sind. Warum?

Das können wir uns auch nicht erklären. Sobald wir die Tische aufgebaut haben, kommen sie einfach aus allen Himmelsrichtungen angerannt.

 Sie treten erstmals bei der Kommunalwahl in Mannheim an? Mit welchen Themen?

Wir wollen Mannheim männlicher machen. Aus anderen Parteien kam früher einmal der Vorstoß, Mannheim in „Personenheim“ umzubenennen. Dieses ganze Gender-Thema finden wir stark übertrieben. Daher haben wir uns gefragt, wieso wir es nicht noch männlicher machen, als es jetzt schon ist. Um unser Anliegen zu unterstreichen, habe ich mir auch extra die Haare abrasiert .

Auf den ersten vier Listenplätzen kandidieren Frauen. Das klingt mir nach dem Gegenteil von männlicher.

Unsere Ernsthaftigkeit können Sie an unseren Bärten ablesen.

Ihre Partei wird oft als „Sonneborns Spaßtruppe“ bezeichnet.

Das sind wir generell nur dann, wenn es um Partys geht. Im Politischen gehen wir ernster und professioneller an die Themen heran als alle anderen Parteien.

Sie haben also mit Ihrer Kandidatur für den Stadtrat ernste Absichten?

Ja, Macht, Geld und Kochrezepte auszutauschen sind sehr ernste Absichten!

Deshalb möchten Sie in den Stadtrat?

Genau, außerdem kann ich sehr gut einschlafen, wenn jemand redet.

 Wie ernst nehmen Sie Ihre Kandidatur?

42.

Ist die Partei eigentlich eine Satire-Partei?

Ich bedanke mich für die Frage, möchte aber zunächst eine andere beantworten.

Und zwar welche?

Warum sitzt die FDP eigentlich im Gemeinderat?

 Sind die aktuellen Herausforderungen in Mannheim nicht zu ernst, um diese Satirikern zu überlassen?

Wenn Politiker anfangen Satire zu machen, müssen Satiriker anfangen Politik  zu machen.

 Mit wie vielen Mandaten rechnen Sie denn bei der Wahl?

Mit ca. 48. Wir haben zwar nur 47 auf der Liste, aber da wird sich schon was finden.

Sicherlich ein sehr ambitioniertes Ziel.

Ich denke auch, ich baue auf unsere Wähler.

Beim Blick auf Ihre Liste taucht kein Kandidat auf, der über kommunalpolitische Erfahrung verfügt.

Irgendjemand muss ja mal den Anfang machen. Unsere Kandidatinnen und Kandidaten sind jedenfalls sehr ambitioniert und bereit zu lernen.

Auch politisch ist Die PARTEI bisher in Mannheim noch nicht sonderlich stark in Erscheinung getreten.

Ich möchte hier zum Einen an unseren OB-Kandidaten Christian Sommer im Jahr 2015 erinnern. Außerdem haben wir unter dem Motto „Die PARTEI besamt Mannheim“ schon mehrfach Samenbomben verteilt.

Welches sind denn aus Ihrer Sicht die drei größten Herausforderungen in Mannheim in den nächsten fünf Jahren?

Zum einen wären da die Schlafwagenabteile im VRN Gebiet und zum anderen das sehr großes Thema die zu teuren Mietpreise. In dem Zusammenhang kommt mir auch das Stichwort Turley in den Kopf. Wir sind sehr traurig, dass uns das mit Turley nicht selber eingefallen ist.

Was meinen Sie genau?

Der Weiterverkauf zum sechsfachen Wert, also für 36 Millionen Euro, auf so etwas muss man schon kommen. Das hätte uns einfallen müssen. Aber wir haben auch ernsthafte Vorschläge in der Wohnungspolitik.

Als da wäre?

Der Hauptbahnhof ist beispielsweise nachts immer zu. Da könnte man durchaus Menschen drin übernachten lassen. Oder meine persönliche Idee: Weshalb machen wir nicht einfach eine Kuppel über Mannheim, dann hat jeder ein Dach über dem Kopf. Kennen Sie eigentlich „Under the dome“?

Erinnert mich stark an Die Simpsons der Film. Welche weiteren Herausforderungen sehen Sie?

Das ganze Thema Umwelt. Die für das Jahr 2023 geplante Bundesgartenschau sollte auf das komplette Stadtgebiet ausgeweitet werden, um die Anzahl an Grünflächen zu maximieren. Zudem beschäftigt uns das geplante Abholzen der Bäume z.B. am Rhein.

Was schwebt Ihnen da vor?

Die PARTEI ist berühmt dafür, Mauern zu bauen. Entsprechend würden wir gerne zum Schutz der Bäume eine Baumschutzmauer errichten.

Die PARTEI ist auch bekannt dafür, mit lustigen Plakaten den Wahlkampf aufzumischen. Wir sind in der heißen Phase angekommen, aber bisher sehe ich keine.

Das hat einen sehr guten Grund. Unsere Plakate werden sehr gerne geklaut. Daher werden wir erst sehr spät plakatieren.

Insbesondere die SPD aber auch die CDU haben sehr früh plakatiert. Laufen Sie nicht Gefahr, dass die besten Plätze weg sind?

In einem Hinweisschreiben der Stadt Mannheim wurde auf die falsch aufgehängten Plakate der anderen Parteien aufmerksam gemacht. Nach dem 03. Mai werden diese kostenpflichtig entfernt. Dann hängen wir unsere Plakate an die so frei gewordenen Stellen. Wir warten ab.

Welches sind denn Ihre drei Hauptthemen, wenn Sie den Sprung in den Gemeinderat schaffen?

Hauptsächlich alte, weiße Männer ärgern. Außerdem dient mir der Gemeinderat nur als Steigbügelhalter auf dem Weg nach Europa.

(Außerdem) Bis dahin werde ich eine unverschämt hohe Anzahl an Anträgen stellen.

Dafür ist bisher Stadtrat Ferrat von der Mannheimer Volkspartei bekannt.

Für diesen Vergleich werde ich jetzt fünf Minuten den Raum verlassen und Sie denken darüber nach, was sie gerade getan haben.

Und warum sollte man ihrer Partei bei der Kommunalwahl die Stimme geben?

Weil jede Stimme für uns eine Stimme für uns ist.

Grundsätzlich kann das Prinzip „Gemeinderat“ funktionieren, es ist nur mit den falschen Leuten besetzt.

 

 

Steckbrief

DIE PARTEI

Listenplatz 1

Stadtteil: Schwetzingerstadt