Florian Kußmann | FDP

Herr Kußmann, es fällt auf, dass die Kandidatinnen und Kandidaten der FDP auf den Plakate besonders stark strahlen. Was hat es damit auf sich?

Wir haben Frühling, die Sonne kommt und das wollten wir auf den Plakaten mit zum Ausdruck bringen. Außerdem sind wir eine Partei, die optimistisch in die Zukunft schaut. Da ist es angebracht, dass man manche Hindernisse eher als Chancen sieht, die man in etwas Positives verwandeln kann.

Manch Mannheimer Zeitgenosse sagt beim Anblick ihrer Plakate, dass das schon fast verstrahlt wirkt.

Nein, mit verstrahlt hat das nichts zu tun, ganz im Gegenteil. Wir strahlen die Menschen an und freuen uns, wenn die Menschen zurückstrahlen. Unsere Plakate fallen im positiven Sinne auf und das ist doch schön.

Die Grünen haben in Mannheim viel vor. Und die FDP?

Wir haben natürlich noch mehr vor. Die Grünen verraten ja gar nicht, was sie vorhaben. Wir werden da viel konkreter, auch auf unseren Plakaten: Wir wollen in die Infrastruktur, die Kitas und die Bildung investieren und vieles mehr.

Welches sind aus Ihrer Sicht die drei größten Herausforderungen für die Mannheimer Politik in den nächsten fünf Jahren?

Die große Herausforderung wird die Bundesgartenschau sein, auch wenn wir sie ja gar nicht gewollt haben. Aber finanziell wird es eine entscheidende Herausforderung. Das zweite Thema ist die Infrastruktur. Wir müssen uns entscheiden, welchen Weg wir in Mannheim gehen wollen. Hier sehe ich die größten Herausforderungen auch in der Zusammenarbeit mit Ludwigshafen. Was passiert beispielsweise, wenn die Hochstraßen saniert werden und wir tatsächlich mit Brücken- und Straßensperrungen zu rechnen haben.

Und die dritte Herausforderung?

Das dritte Thema ist für mich persönlich die Balance in der Stadt zu finden zwischen wohnen, Arbeiten und Freizeit. Ich glaube, dass das Thema in den nächsten fünf Jahren und darüber hinaus an Bedeutung gewinnen wird. Die Menschen haben ein anderes Bedürfnis, wie sie ihr Leben organisieren wollen. Nicht mehr so weit zum Arbeitsplatz, gleichzeitig entstehen neue Techniken, Stichwort autonomes Fahren. Aber auch Mietpreise spielen in das Thema mit rein. Wir werden hier in den nächsten fünf Jahren einen großen Wandel haben und wir müssen auch in Mannheim schauen, wo die Stadt in fünf, zehn und 15 Jahren stehen wird.

Die FDP ist eine Partei, die immer stark für Steuersenkungen und Ausgabendrosselungen plädiert. Dennoch sind sie aktuell der lautstärkste Gegner des Bahnlärms und fordern den Bau eines Tunnels. Dieser wird sicherlich zu hohen Kosten bei der öffentlichen Hand führen. Ist da nicht ein Widerspruch?

Nein, den sehe ich nicht. Es kommt ja immer ganz stark darauf an, wofür man das Geld ausgibt. Auch wir wollen Geld ausgeben, beispielsweise um in die Infrastruktur zu investieren. Das ist für derartige Zukunftsprojekte ganz, ganz wichtig. Wir stehen dazu, dass wir den Güterverkehr verstärkt auf die Schiene bringen. Wenn wir das wollen, dann müssen wir aber auch schauen, dass es für die Anwohner einen entsprechenden Lärmschutz gibt. In Mannheim haben wir ein Nadelöhr: Wir haben einen der größten Güterbahnhöfe Deutschlands, den wir auch behalten wollen. Daher müssen wir

Dafür sorgen, dass die Züge entsprechend durch die Stadt rollen können und das geht nur mit Gesundheits- und Lärmschutz. Beide stehen da mit an oberster Stelle.

Auf einem Ihrer Themenplakate zum Thema Schaffung von Wohnraum Plakat hatte ich zunächst fälschlicherweise „Dachsbau“ gelesen. Tatsächlich steht Dachausbau dort. Worum geht es Ihnen?

Wir haben unsere Mietpreisbremsen und wir haben Ideen aufgezeigt, wie wir zu mehr Wohnraum kommen, was dazu führen würde, dass die Mieten nach unten gehen oder zumindest stabil bleiben. Eine große Chance sehen wir im Dachausbau. Einfach ein Geschoss draufsatteln oder ein bisher nicht genutztes Dach als Wohnung umbauen.

Mannheim ist traditionell ein schwieriges Pflaster für die FDP, was trauen sie sich zu?

Als Kreisvorsitzender habe ich vier Mandate als Wahlziel ausgegeben, also den Fraktionsstatus zu erlangen. Das ist meines Erachtens auch ein greifbares Ziel. Wir haben uns in den letzten Jahren durch eine kontinuierlich gute inhaltliche Arbeit klar positioniert. Das wird vom Wähler wahrgenommen. Zudem haben wir eine gute Liste mit einer guten Mischung aus Männern, Frauen, Jüngeren und Älteren aus vielen Stadtteilen.

Die FDP Liste ist bunt, anders als die CDU setzen sie jedoch nicht auf Mannheimer Prominente. Weshalb nicht?

Ich sehe das überhaupt nicht so, wir haben 48 prominente Kandidaten.

Vier Mandate sind ein ambitioniertes Ziel. In den letzten 25 Jahren gelang dies der FDP nur einmal, im Jahr 2009.

Das stimmt aber wir müssen auch feststellen, dass sich die Partei in Mannheim heute deutlich besser aufstellt als früher. Noch dazu ist es so, dass sich auch Mannheim gewandelt hat: von der klassischen Industrie hin zu Dienstleistungen, High-Tech und auch einer Musik- und kulturellen Stadt. Auch das verändert Menschen und gibt für uns ein neues Wählerpotential.

Gewandelt hat sich jedoch auch die Anzahl der Parteien, die in der Mitte um Wählerstimmen wirbt: Mittelstand für Mannheim, Mannheimer Volkspartei und traditionell die Mannheimer Liste, die alle im Kern um traditionelle FDP-Wähler buhlen.

Die Mannheimer Liste gibt es gut seit vierzig Jahren und sie zieht sicherlich auch in unseren Wählerschichten Stimmen. Ich bin trotzdem optimistisch, da die Mitte an sich auch stärker geworden ist. Davon bin ich überzeugt, auch wenn manche Kommentatoren da anderer Meinung sind. Viele Menschen setzen wieder auf die Mitte, ich bin optimistisch eingestellt.

Sie sind Wahlkampfprofi, haben zwei Mal für den Landtag und einmal für den Bundestag kandidiert. Da ist eine Kommunalwahl für Sie sicher beinahe langweilig.

Nein, überhaupt nicht. Es ist der spannendste Wahlkampf, da man am meisten entscheiden kann. Die Kommunalwahl hat ganz besondere Herausforderungen. Das liegt beispielsweise daran, dass man die ganze Kampagne selbst und vor Ort plant. Dies wird nicht auf Landes- oder Bundesebene gemacht sondern man kann vor Ort entscheiden, was für Mannheim wichtig ist und das ist natürlich auch sehr spannend, da man mit 48 Kandidaten zusammenantritt. Das ist etwas ganz besonderes, das man auch gut koordinieren muss.

Auf ihren Plakaten werben Sie für mehr Mobilität. Sie kandidieren auf Listenplatz drei, werden Sie in den Rat einziehen?

Ich würde mich freuen, wenn die Wähler mir das Vertrauen und den Auftrag für ein Gemeinderatsmandat geben.

Steckbrief

FDP

Listenplatz 3

Stadtteil: Innenstadt