CDU

Vor einem halben Jahr zeigte eine Umfrage des Mannheimer Morgens, dass SPD und CDU bei Frauen zwischen 35 und 59 Jahren zusammen nur 29 Prozent Zustimmung erhalten. Eine Klatsche für die einstigen Volksparteien. Der CDU Kreisvorsitzende Nikolas Löbel reagierte und setzte seinen Modernisierungskurs fort. Zur Kommunalwahl kandidieren neun Frauen mehr als vor fünf Jahren. Die Liste ist mit 24 Kandidatinnen ausgeglichen besetzt und das ganz ohne Quote. Die CDU Mannheim ist auf dem selbst verordneten Weg hin zu einer modernen Großstadtpartei einen Schritt nach Vorne gegangen. Wann gab es in der CDU Mannheim einen Kandidaten, der wie Thomas Hornung, im Wahlkampf vogel- und naturkundliche Wanderungen anbietet.

Ja, Löbel hat die einst chronisch zerstrittene Partei zusammengeschweißt. Die Liste wurde intelligent ausgebaut und um namhafte Kandidaten ergänzt. Mit Martina Herrdegen (2), Alfried Wieczorek (13) und Reza Shari (17) wurden drei Mannheimer Persönlichkeiten prominent auf der Liste platziert, die sicherlich als Stimmenmagneten funktionieren werden.

Dass das nicht jedem schmeckt, ist nachvollziehbar. Bei der zweiten Garde sind die Bedenken groß, dank der vielen neuen Promis unter die Räder zu geraten. Diese Angst ist nicht unberechtigt. Denn welchen hohen Stellenwert den Wettbewerbern auch von außen beigemessen wird, lässt sich beispielsweise an der ablehnenden Haltung und der öffentlich vorgetragenen Kritik der Grünen an der Kandidatur des Geschäftsführers der Reiss Engelhorn Museen, Alfried Wieczorek, ablesen.

Zudem wird die CDU wohl mindestens zwei, wenn nicht drei ihrer derzeitigen 13 Mandate verlieren. Das bedeutet Verdrängungswettbewerb. Wie erbittert dieser innerparteiliche Wahlkampf geführt wird, zeigt sich an der Anzahl der Plakate einzelner Kandidaten, aber auch daran,  wie viele Kandidatinnen und Kandidaten explizit um drei Stimmen werben, um sich auf der Liste zu verbessern. Dieses Gebaren ist bei den anderen Parteien Fehlanzeige.

Noch vor wenigen Monaten hatte Kreischef Nikolas Löbel als Ziel ausgegeben, die stärkste Fraktion im Mannheimer Stadtrat zu werden. Davon ist er abgewichen. Nunmehr möchte man bei den großen Fraktionen dabei sein, und dabei sein oder besser bleiben möchten auch viele altgediente Stadträte, die den Wind der Änderung spüren und um ihre Pfründe fürchten. Mit dem ehemaligen stellvertretenden Kreisvorsitzenden Hans-Jörg Fischer, der anscheinend wegen mangelnder Chance auf einen vorderen Listenplatz das Handtuch geworfen hatte, gab es ein erstes Opfer des Kurses.

Interessant wird sein, wo der altgediente Stadtrat und ehemalige Bundestagsabgeordnete Prof. Egon Jüttner landen wird. Beim letzten Mal schoss er von Platz 20 auf Platz zwei, hatte da jedoch auch den Abgeordneten-Bonus. Diesmal geht er von Platz 19 ins Rennen.

Zudem wird spannend werden, wo die jungen, gut platzierten Nachwuchskräfte wie die Stellvertretende Kreisvorsitzende Katharina Dörr (3), der Vorsitzende der Mittelstandvereinigung, Alexander Fleck (4), oder auch der stellvertretende Kreisvorsitzende Chris Rihm (5) landen werden. Sollte einem von ihnen der (Wieder)Einzug nicht gelingen, wird es in der CDU rumoren.

http://www.cdumannheim.de/kommunalwahl-2019/