Ali Badakshan Rad | SPD

Herr Badakhshan Rad, Sie sind ein bekannter Filmemacher, der jetzt auf der SPD Liste für den Mannheimer Gemeinderat kandidiert. Wenn Ihr Wahlkampf ein Film wäre, in welchem Genre würde er spielen?

Lust hätte ich auf ein Musikvideo. Kreativ. Frei. Edgy. Aber ernster betrachtet: ein Dokumentarfilm. Da geht es um Inhalte.

Und welchen Titel würden Sie ihm geben?

Wir sind die Neuen.

Sie spielen auf sich und Naciye Baklan an, die auf Listenplatz acht kandidiert.

Genau. Wir sind beide als Newcomer in die Partei gekommen, bringen ein gewisses Profil mit. Das geht über das hinaus, was vom Namen her ableitbar ist, also der Migrationshintergrund. Die SPD ist sich darüber im Klaren, dass sie in der Position, in der sie sich derzeit befindet, inhaltlich und mit der Wahlbeteiligung Probleme hat – und geht das hier in Mannheim auch proaktiv an. Aktuell verfügt sie nicht über die besten Perspektiven, daher muss sie sich ändern, muss neue Wege gehen und braucht dafür auch neues Personal, das Perspektiven und neue Ideen mitbringt. Auf mich bezogen, habe ich den Begriff Partei- oder auch Politik-Azubi überlegt. Ich bin kein Berufspolitiker, sondern ein echter Anfänger, was direktes politisches Geschäft angeht.

Aber Sie waren doch schon früher ein politischer Mensch

Ich komme von der Seite, Dinge zu machen – nicht in erster Linie politisch, aber sich mit gesellschaftlichen oder städtischen Themen auseinandersetzen. Wie beim Film Transnationalmannschaft , dem Projekt Zwischenraum oder auch dem KIOSK in Neckarstadt West. Diese Projekte hatten sicherlich eine politische Dimension, auch wenn es nie so gedacht war und es gab Schnittmengen. Ich glaube, dass da im Laufe der Projekte eine Politisierung stattfand und ich dadurch auch Themen für mich entdeckt habe. An der Stelle ist die SPD ein fruchtbarer Boden für neue Projekte. Es bleibt spannend, wo das ganze hinführen wird.

Sie bezeichneten sich vorhin als Politik- bzw. Partei Azubi, dabei sind Sie gar nicht in der Partei.

Das stimmt.

Und weshalb kandidieren Sie dann als Parteiloser ausgerechnet bei der SPD?

Ich habe mich der SPD immer nahe gefühlt, wähle schon immer SPD. Von meinen Ansichten her schwingt das soziale Element immer mit. Es ist nicht so, dass ich krass links bin oder prinzipiell gegen neo-liberale Positionen antrete. Auch da gibt es sicherlich gute Seiten. Ich bin kein politischer Hardliner, sondern schaue, wo es etwas Gutes gibt. Im Grunde geht es doch darum, dass Parteien ihre Linien fahren – und da passt die SPD am besten zu mir. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich eine Mischung nehmen: etwas grün, etwas schwarz, etwas ganz linkes, etwas liberales und ganz viel SPD. Aber das ist natürlich schwierig. Das geht eher auf der europäischen Ebene mit einer Partei wie Volt, die ich momentan sehr spannend finde, oder DiEM25. Darüber hinaus ist es eine Überzeugungsentscheidung.

Wie kam es zu dem Engagement? 

Ich erhielt einen Anruf, ob ich mir vorstellen könnte zu kandidieren.

Und Sie sagten ja.

Ich war schon länger latent interessiert, mich zu engagieren. Ich wollte mich auf die Challenge einlassen. Ich habe in den letzten Jahren die Entwicklung in Europa und international kritisch verfolgt. Da hat sich bei mir, wie bei vielen anderen auch, etwas bewegt. Es war ja gerade meine Generation, die mit einem liberalen Versprechen zu liberalen Perspektiven aufgewachsen ist, wie beispielsweise einem Europa ohne Grenzen. Jetzt entwickeln wir uns zurück. Konsolidieren es vielleicht, mal abwarten. Ich dachte mir; dass kann nicht sein, da müssen wir etwas machen. Ich. Menschen wie ich. Wenn Freunde heute auf mich zukommen und mir zum Engagement gratulieren, fordere ich sie immer auf, sich ebenfalls zu engagieren.

Was bringen Sie mit, wie wurde Ihr Engagement aufgenommen?

Wir sind diejenigen, die vom Alter her unterrepräsentiert sind. Meine Klientel: Aus Start-Ups, aus der Künstlerbranche, Kreativ-Arbeitende, die sind eh unterrepräsentiert, bringen aber Ideen und Perspektiven mit. Wenn die sich nicht engagieren, habe ich es mir auf die Fahne geschrieben, ihre Ideen und Anliegen in die Politik zu tragen. In den Gemeinderat. Auf kommunaler Ebene schauen, wie man die Themen voranbringen kann. Auch da habe ich gesehen, dass die SPD eine gute Grundlage bietet. Man hat mit Interesse auf das, was ich einbringe, reagiert. Ich merke jetzt kurz vor Wahlkampfende, dass ich in besagte Kreise hereinfrage, ob Kollegen gute Ideen und Anliegen haben. Das, was zurückkommt, spiele ich in die Partei hinein und es wird – zum Teil – aufgegriffen.

Eine gute Erfahrung, die mich auch bestätigt. Natürlich gibt es auch den anderen Effekt: die Altersstrukturen sind wie sie sind… bei manchem älteren Semester fehlt das Verständnis für aktuelle Anliegen. Das ist normal, das gehört dazu, das ist auch berechtigt. Man muss die Balance finden. Mit der Perspektive habe ich mich auf die SPD eingelassen.

Ist es von Nachteil, nicht in der SPD zu sein?

Nein, überhaupt nicht. Im Gespräch mit Menschen, die eher skeptisch sind und seit einigen Jahren nicht mehr wählen, punkte ich genau damit, dass ich sage, ich bin kein Parteimitglied. Sehe aber bei der SPD am ehesten die Werte, die für mich relevant sind. Dann kommt ein Knackpunkt und die Menschen fangen an zuzuhören. Da kommt oft die Ansage, dass sie ja vielleicht doch wählen gehen. Damit kann man schon kokettieren. Gute Feedbacks holen.

Welches sind aus Ihrer Sicht die drei größten Herausforderungen der Mannheimer Politik in den nächsten fünf Jahren?

Wie in jeder Stadt geht es um die Infrastruktur: Die Problematiken mit dem Verkehr und im Öffentlichen Nahverkehr in den Griff zu bekommen. Daran hängen auch wieder viele andere Themen: Lärmbelästigung, Luftverschmutzung und die Lebensqualität. Da muss man Lösungen finden.

Was schwebt Ihnen konkret vor?

Beispielsweise mehr Park & Ride Angebote zu schaffen. Die Senkung der ÖPNV Preise war ein guter Schritt, aber da muss noch mehr passieren. Auch die Idee der Modellstadt…das kann man noch ausbauen, weitere Mittel holen. Startups fördern, die sich in dieser Richtung engagieren.

Als zweites ist mir das Thema Sauberkeit wichtig, auch wenn es irgendwo „unsexy“ ist. Mannheim ist eine dreckige Stadt. Normalerweise heißt es: „Don´t shit where you eat“, aber hier kapiert man das einfach nicht. Da muss sich etwas ändern. In der Neckarstadt West muss die Infrastruktur verbessert werden, beispielsweise durch mehr Mülleimer, mehr Müllabfuhr. Auch in so einem Viertel müssen sich die Menschen zu Hause fühlen, Identifikation mit dem Viertel haben. Ich mach keinen Dreck, wo ich mich jeden Tag aufhalte, wo meine Kinder spielen, sondern ich schaue mit darauf. In dem Themenbereich spielt auch der KIOSK eine Rolle…denn jede gute Gastro räumt auch vor der Tür auf. Daher ist es ein wichtiger Punkt, gute Läden strategisch zu platzieren.

Bleibt das dritte Thema.

Ich interessiere mich schon länger für digitale Themen. Wobei ich ehrlicherweise sagen muss, dass ich (noch) nicht so richtig in dem Thema stecke und mich auch nicht so gut auskenne, wie es zwischen Land und Bund aufgestellt ist. Stichwort: Föderalismus. Da muss mehr passieren, beispielsweise auch in der Bildung durch moderne Modellschulen mit innovativen Lehrkonzepten.

Wie stark bringen Sie sich in den Wahlkampf ein?

Das ist mein großes Problem als Selbstständiger, der immer mal wieder gute und schlechte Zeiten hat. Im Moment läuft es ganz gut, daher habe ich wenig Zeit für Wahlkampf. Die letzten zwei Wochen war ich auf Produktion und konnte den Wahlkampf leider eher nebenher gestalten. Ich versuche, vor allem digital für Aufmerksamkeit zu sorgen und mich zu zeigen. Die Leute, die ich von Natur aus anspreche, die eher rot oder grün wählen, haben mich auf dem Schirm. Trotzdem gehört es, auch gegenüber der Partei dazu, die Verantwortung wahrzunehmen.