Aida Spiegeler | Tierschutzpartei

Frau Spiegeler Castañeda, Sie treten bei der Kommunalwahl in Mannheim lediglich mit vier von 48 möglichen Kandidaten an. Weshalb?

Aus verschiedenen Gründen haben wir nicht mehr Kandidierende aufgestellt: zum einen ist die Regionalgruppe Mannheim noch nicht sehr lange aktiv, zum anderen hatten wir nicht viel Zeit um Leute mit viel Hintergrund- und Detailwissen aufzustellen. Uns war es wichtig, nicht auf Biegen und Brechen 48 Kandidaten aufzustellen, sondern Leute auf der Liste zu haben, die sich auskennen, die wissen wofür wir stehen, was wir erreichen können und vor allem auch, wie wir das erreichen können. Und so, dass Mannheim im Falle unserer Wahl auch den größten Nutzen an uns hat.

Mit nur vier Kandidaten wird der Einzug in den Stadtrat jedoch sehr schwer.

Das ist richtig. Das liegt daran, dass wir maximal zwölf Stimmen auf unserer Liste bekommen können, während andere Parteien 48 Stimmen erhalten können. Rein rechnerisch rechnet sich das nicht, aber wir haben gelernt, dass man das Unmögliche versuchen muss, um das Mögliche zu schaffen. Wir sind davon überzeugt, auch mit vier Kandidaten die Tierschutzpartei hier vor Ort gut repräsentieren zu können und uns die Leute, die unser Programm kennen und wissen wofür wir stehen, auch wählen werden. Auch mit vier Kandidaten können wir den anderen Parteien durchaus Konkurrenz machen.

Vielen Bürgern kommt da bestimmt der Gedanke, dass eine Stimme für sie eine vergeudete ist. Weshalb sollte man Sie trotzdem wählen?

Wenn man ausschließlich unsere Liste wählt, dann hat man in der Tat in Anführungszeichen Stimmen weggeworfen. Aber das müssen die Wähler ja nicht. Sie könnten uns wählen und dann beispielsweise den Grünen die restlichen Stimmen geben. Man ist ja nicht auf eine Liste festgelegt. Aber auch, wenn jemand nur uns die Stimmen gibt, ist keine wirklich weggeworfen, da es keine Prozenthürde gibt.

Sie empfehlen auch auf Ihrer Website, die restlichen Stimmen anderen Parteien zu geben. Die Grünen hatten Sie gerade genannt. Gibt es weitere Wahlempfehlungen?

Wir denken, dass die Grünen und auch die Linken gute Programme haben, die aus unserer Sicht wichtige Punkte umfassen.

Seit wann sind Sie eigentlich bei der Tierschutzpartei?

Seit 2014.

Kam Ihnen jemals der Gedanke, Ihr Engagement für den Tierschutz in einer anderen, einer größeren Partei auszuüben?

Der Gedanke war natürlich da. Bevor ich mich bewusst für die Tierschutzpartei entschieden habe, bin ich die Programme der anderen Parteien durchgegangen; natürlich auch jenes der Grünen. Denn es wird ja immer wieder gesagt, dass Parteien wie die Tierschutzpartei eh nichts erreichen können und somit ein Engagement bei den Grünen, die ja im Bundestag sitzen, sinnvoller wäre. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Grünen bei den Themen nicht sehr konsequent sind.

Bei welchem Thema zum Beispiel?

Nehmen wir den Hambacher Forst. Im Oktober 2018 gab es einen großen Aufruhr, bei dem sich auch die Grünen klar für den Erhalt des Hambacher Forstes positioniert haben. Es redet aber niemand darüber, dass es einige Jahre zuvor die rot-grüne Landesregierung war, die überhaupt erst die Rodung des Hambacher Forstes genehmigt hatte. Da sieht man diese Tendenz, dass man sich nicht wirklich sicher sein kann, was die Grünen mit den Themen machen. Ich denke, dass die Grünen sich zu stark von der CDU beeinflussen lassen, um die Themen konsequent durchzusetzen.

Aus welchen Gründen sind Sie persönlich zur Tierschutzpartei gegangen?

Aus vielen. Der erste war der Tierschutz. Für mich ist es ein sehr wichtiges Thema, auch klimapolitisch. Ich denke, dass Klima eines der wichtigsten Themen ist, die wir behandeln können. Denn wenn wir unsere Umwelt so stark ruinieren, brauchen wir in ein paar Jahren über andere Themen gar nicht mehr zu sprechen. Selbstverständlich können und müssen wir über Abgase reden, über Kohle. Worüber jedoch niemand redet ist das Treibhausgas Methan. Und dieses stammt ausschließlich aus Viehzucht und ist sehr viel schädlicher als CO2. Solange wir dieses nicht reduzieren wird auch der Rest langfristig die Probleme nicht lösen. Der andere Aspekt ist der Ethische. Tiere einzig als Produkt zu sehen, führt aus Gründen der industriellen Gewinnmaximierung zu unendlichem Leid und Misshandlungen der Tiere. Dies ist einfach nicht vertretbar und dazu doch auch überhaupt nicht notwendig. Wir schotten uns so von unserer Umwelt, von der Natur ab, dass wir zu dem, was uns ursprünglich als Menschen ausmachte, keinen Bezug mehr haben. Das muss auf jeden Fall geändert werden. Daher bin ich zur Tierschutzpartei gegangen, da sie die einzige Partei ist, die diese Themen konsequent anspricht.

Welches sind für Sie die drei größten Herausforderungen in der Mannheimer Politik der nächsten fünf Jahre?

Zum einen Umwelt und Klimaschutz.

Was bedeutet das konkret für Mannheim?

Wir müssen unter anderem über CO2 sprechen, also über die Autos. Der Umstieg auf das Fahrrad, der bewusste und geplante Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel.

Was bedeutet das?

Nicht pauschal zu sagen, dass wir mehr Fahrten von der Straßenbahn benötigen, sondern wie dies organisatorisch umsetzbar ist. Wir haben doch häufig Verspätungen wegen Rückstaus. Die Anzahl der Bahnen einfach zu vermehren ist nicht die Lösung. Zudem stelle ich mir mehr Anreize vor, um auf das Auto zu verzichten; beispielsweise durch kostenlosen öffentlichen Nahverkehr oder den Ausbau der Radwege. Ein weiteres wichtiges Thema ist der starke Fleischkonsum.

Wie wollen Sie dem beikommen?

Beispielsweise durch mehr vegetarische und vegane Angebote an Schulen. Aber nicht ausschließlich. Man kann nicht von heute auf morgen vegan werden; das erwarten wir auch gar nicht. Aber man kann schrittweise Menschen daran heranführen und ihnen die Angst nehmen, dass sie dann gar nichts mehr essen dürften.

Ich hatte gerade eine Waffel, ist diese erlaubt?

Für mich nicht.

Aber ich durfte sie essen?

Ja klar. Man kann übrigens auch problemlos Waffeln ohne Milch und Eier backen.

Welche weiteren Herausforderungen sehen Sie?

Wohnungen sind ein ganz wichtiges Thema. Die Mietpreise steigen, es gibt weniger Wohnraum. Es ist schwer etwas Bezahlbares zu finden, das nicht total renovierungsbedürftig ist. Das müssen und können wir angehen. Auch Bildung und Integration sind mir sehr wichtig. Das bedeutet, dass Kitaplätze auch komplett kostenfrei werden müssen, um hier bereits eine Grundlage zu schaffen.

Vertreter linker Parteien werfen ihrer Partei oft vor, dass sie durch die Kandidatur eine Zersplitterung des linken Lagers zu verantworten haben.

Ich sehe uns hier nur bedingt in der Verantwortung.. Solche Wähler haben sich dann bewusst für uns oder bewusst gegen die Linken und die Grünen entschieden und dann sollten sie nicht jammern, dass wir ihnen Wähler wegnehmen. Sie sollten sich vielmehr ihr eigenes Programm und ihre Kandidaten anschauen und dann überlegen, weshalb die Wähler ihnen den Rücken gekehrt haben.

 

Steckbrief

Aida Spiegeler Castañeda

Tierschutzpartei

Listenplatz 3

Stadtteil: Schwetzingerstadt