Julien Ferrat | MVP

Als ich den Interviewtermin mit Ihnen ausmachte hatte ich ja befürchtet, dass Sie als Treffpunkt eine Sauna vorschlagen. Dem war aber nicht so.

Nein, ich verwende auch die klassischen Formen der politischen Kommunikation.

Vielen Mannheimern sind gerade Ihre Bürgersprechstunden am FKK-Strand am Stollenwörthweiher oder in der Sauna im Gedächtnis geblieben. Waren die erfolgreich?

Nicht weniger erfolgreich als so manch konventionelle Sprechstunde im Rathaus.

Das heißt, wie viele Besucher kamen dahin?

Eine Handvoll, wie üblich.

Ist das nur Gaudi oder steckt mehr dahinter, wenn Sie zu so einer Bürgersprechstunde einladen?

Vorrangig ist es ein PR-Gag. Aber mit den Besuchern habe ich mich durchaus ernsthaft unterhalten.

Ihnen wird öfter von politischen Wettbewerbern die Ernsthaftigkeit abgesprochen.

Die konventionelle Politik um eine Prise Humor zu ergänzen ist sicherlich erfolgsversprechender als bieder langweilig aufzutreten, denn das nächste x-beliebige Politikergesicht braucht niemand.

Welche Erfolge können Sie denn in Ihrer fünfjährigen Ratstätigkeit vorweisen?

Im Bereich der Gremienarbeit war ein Erfolg, dass die Schülervertretungen, die SMVen, 2015 auf meinen Antrag hin bei den Etatberatungen eine Vollzeitstelle bekommen haben. Diese wurde auch 2017 verlängert. Weiterhin habe ich erreicht, dass im Amtsblatt wieder alle Ratsformationen veröffentlichen dürfen und zudem, dass die Vergnügungssteuer sexueller Art erst mal vom Tisch ist.

Sie konnten also als Einzelstadtrat schon etwas bewegen?

Sicherlich in einem überschaubaren Bereich, aber gelegentlich kommt es dann doch auf jede Stimme an – zum Beispiel bei der Sozialquote im Wohnungsbau, die ohne meine Stimme keine Mehrheit erhalten hätte.

Welches sind die drei größten Herausforderungen für Mannheim in den nächsten fünf Jahren?

Die Sanierung des Nationaltheaters, die Bundesgartenschau und das Universitätsklinikum.

Fangen wir mit letztem an. Es geht um die Sanierung des Universitätsklinikums.

Da wird ja im Moment nur dran rumgewurschtelt. Man müsste sich eigentlich Gedanken darüber machen, in welchen Nischen man regionaler Spitzenreiter werden will. Stattdessen wird Ernst & Young damit beauftragt, Personal abzubauen.

Die Bundesgartenschau wird kommen, wo ist die Herausforderung?

Die entscheidende Frage für mich ist, was anschließend mit dem Gelände passiert. Der Grünzug Nordost ist in meinen Augen schlecht geplant.

Stichwort Nationaltheater – hier war eine große Mehrheit des Stadtrates für die Sanierung.

Leider. Aber die Frage ist doch, wie wir das finanziell stemmen werden. In den nächsten fünf Jahren soll eine halbe Milliarde Euro an Steuermitteln für das Nationaltheater ausgegeben werden. Es sind ja nicht nur die 240 Millionen für die Sanierung, sondern auch die jährlichen Subventionen in Höhe von rund 50 Millionen Euro. Das ist ein beträchtlicher Haushaltsposten bei Kommune und Land.

Welche Ziele haben Sie für die nächsten fünf Jahre?

Ein Themenschwerpunkt wird die Kritik am Ausbau der Ganztagesschule sein. Weiterhin geht es um die Schaffung von Freizeitangeboten und die Verbesserung des ÖPNV. Zudem setzen wir uns dafür ein, dass die Stadtteile mehr Kompetenzen erhalten. Hierfür schwebt uns die Erhöhung der Stadtbezirksbudgets vor.

Sie plakatieren aktuell für einen Freizeitpark nach skandinavischem Vorbild. Was schwebt Ihnen da vor?

In Göteborg und in Kopenhagen gibt es zwei Vergnügungsparks, die von kommunalen Betreibergesellschaften geführt werden. Diese erwirtschaften jedes Jahr einen Millionengewinn. Das Bösfeld, zwischen SAP Arena und S-Bahn-Station, wäre als Standort für einen solchen Park meines Erachtens sehr gut geeignet. Wenn man sich dann anschaut, dass das Nationaltheater jedes Jahr 50 Millionen Euro verbrät, dann kann man auch mit einem kleinen Freizeitpark anfangen. Dieser kostet einmalig zwischen 50 und 100 Millionen Euro.

Dann würden Sie aber den Mannheimer Feldhamstern den Gar ausmachen, die da ansässig sind.

Das ist mir bekannt. Aber das derzeitige Umsiedelungsprojekt scheint mir nicht erfolgreich zu sein, sodass eine Umsiedelung an einen anderen Fleck auch aus Gründen des Artenschutzes sinnvoll wäre.

Entgegen vieler Erwartungen haben Sie eine Liste mit 48 Kandidatinnen und Kandidaten eingereicht. Hand aufs Herz, wie viele auf der Liste sind mit Ihnen verwandt?

Kein einziger Kandidat.

Wie schwer war es, die Liste zusammenzustellen?

Machbar. Es war weder ein Ding der Unmöglichkeit, noch sind die Leute in Scharen zu mir hingelaufen. Ich habe mit potentiellen Interessenten Gespräche geführt und letztlich hatten wir auch reichlich Ersatzkandidaten aufgestellt.

Beim Plakatieren sind Sie schon heute Stadtmeister.

Stadtweit hat die CDU heute mehr Plakate hängen.

Da steckt aber auch mehr Manpower hinter.

Man kann die Stadt auch mit relativ kleiner Personalstärke zupflastern. Man schafft es in einer Woche, wenn man engagiert dabei ist, das Stadtgebiet gut zu bestücken.

Plakatieren Sie alleine, oder haben Sie Unterstützung?

Sowohl als auch. Ich empfinde es als wichtig, dass die Kandidaten das auch selber machen und nicht durch kommerzielle Firmen alles übernehmen lassen.

Was glauben Sie, ziehen Sie wieder in den Stadtrat ein und wenn ja, mit wie vielen Mandaten?

Das Ziel ist, Fraktionsstärke zu erlangen.

Das wären vier Stadträte. Sehen Sie das als realistisch an?

Das Minimalziel ist Gruppenstärke zu erlangen. (Anm. der Redaktion: Das wären zwei Mandate).

Sie kamen in den Stadtrat über die Liste der Linken, waren Einzelstadtrat ohne Parteizugehörigkeit, danach haben Sie sich der Familien-Partei angeschlossen. Ein Sprung von links hin zur konservativen Mitte. Nunmehr haben Sie die Mannheimer Volkspartei gegründet. Wo ist diese im Spektrum verankert?

In der sozialen Mitte, wir sind im Wesentlichen eine ideologiefreie Kommunalpartei. Wir richten uns an alle Bevölkerungsschichten. Man kann uns auch als „catch all“-Protestpartei bezeichnen. Oder in einem Satz zusammengefasst: Die MVP ist die engagierte Kommunalpartei mit Pfeffer im Arsch.

 

Steckbrief

Stadtrat seit 2014

Mannheimer Volkspartei (MVP)

Listenplatz 1

Stadtteil: Wallstadt